Intratympanale Cortisontherapie (ITC)


Indikation

Dieses aktuelle Behandlungsverfahren kann zur Therapie des akuten Hörverlustes (Hörsturz) oder auch beim Morbus Menière eingesetzt werden. Es handelt sich um eine etablierte Methode, die ausdrücklich in den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) empfohlen wird.

Insbesondere, wenn die primär alternativlose orale Hochdosis-Cortisontherapie ohne Effekt blieb oder es eine Kontraindikation gegen diese wegen zu erwartender Nebenwirkungen gibt (Diabetes mellitus, Osteoporose, Bluthochdruck, etc.), kann und soll die ITC als sekundäre Alternative (Reserve) oder eben auch als Primärtherapie zur Anwendung kommen. Studien konnten zeigen, dass die Wirksamkeit bei Therapie innerhalb der ersten 4 Wochen seit Bestehen des Hörsturzes mit einer ca. 9x höheren Wahrscheinlichkeit zu einer Hörverbesserung führt als eine Placebo- oder Nulltherapie.


Behandlungsablauf

Im Rahmen der ITC (Intratympanale Cortisontherapie oder auch Intratympanale Kortikoidtherapie) wird eine Cortisonvariante, z.B. Dexamethason oder Methylprednisolon in gelöster Form (flüssig) in Verbindung mit Hyaluronsäure (als Viskositätsverstärker), unter mikroskopischer Sicht über den Gehörgang in das Mittelohr injiziert. Das Trommelfell wird zuvor anästhesiert (betäubt) und das Mittelohr dann vollständig mit der definierten Cortisonlösung gefüllt. Durch die Rückenlagerung mit Kopfdrehung auf das gesunde Ohr und eine Liegezeit von mindestens 10 min wird erreicht, dass der Wirkstoff in hoher Konzentration direkt in das Innenohr diffundiert und dort gezielt wirken kann.

Eine "Überschwemmung" des gesamten Körpers mit dem Cortison und seinen optionalen Nebenwirkungen wird mit der ITC vermieden, denn die in das Mittelohr applizierte Menge ist im Verhältnis zum Gesamt-Körpervolumen verschwindend gering und kann deshalb bezüglich negativer Kollateralerscheinungen vernachlässigt werden. Nach Ende der Liegezeit, durch Aufrichten und normale Schluckaktivitäten fließt das Medikament dann über die Ohrtrompete auf natürlichem Wege ab, die Verweilzeit im Mittelohr ist daher sehr kurz.

Die ITC erfolgt in Form von "Sitzungen", also wiederholten Anwendungen, die ganz einfach ambulant in der Praxis durchgeführt werden. Es hat sich gezeigt, dass 5 bis 7 Sitzungen im Abstand von 1-3 Tagen sinnvoll sind, bei frühem Effekt auch weniger. Aus über 10-jähriger eigener Erfahrung mit diesem Verfahren kann ich sagen, dass die Durchführung der ITC vom Patienten (evtl. wider vorheriger subjektiver Erwartung) als unproblematisch empfunden wird. Schäden des Trommelfelles oder Mittelohres wurden nicht beobachtet.


Kostenübernahme

Obwohl es sich um eine der wenigen verfügbaren und in Studien nachweislich wirksamen Therapiestrategien handelt, werden die Kosten der ITC von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, so dass diese vom Patienten als Privatleistung zu tragen sind. Private Versicherungsträger erstatten die Therapie in der Regel.